26. Oktober 2008

der zahn der zeit


nagt er, gehen wir mit, oder gibt es einen wendepunkt - für jeden neu definiert - von dem an die zeit nach hinten losgeht?

jüngst setzt sich die NEON mit gefühltem alter, verantwortung und älter werden auseinander. um jedoch zu fühlen, wie man älter wird, muss man diese ausgabe nicht aufgeschlagen haben. allein die tatsache, dass man im besitz der NEON ist, sagt schon: zielgruppe 30+, voll drin.

aber natürlich gibt es schlüsselerlebnisse. meine uni wurde gestern 15 länze alt. ich bin im oberen drittel der absolventen, jahrgangstechnisch. nette veranstaltung, schönes wiedersehen. es gab essen, einen neuen überdachten raucherbereich, und fleissige erstsemester mit biertabletts. und da: darf es für SIE auch noch eins sein? bitte? ich hab grad SIE verstanden. gott sei dank wird mir kein sitzplatz angeboten. ich ärgere mich über dieses gesieze.


warum jedoch? wieso sind wir anfang 30er so schizophren? wir möchten bitte geduzt werden, lässig und jugendlich rüberkommen, keinen platz in der ubahn und keine schrägen blicke, wenn wir noch unsere klamotten bei h&m kaufen. wir möchten aber trotzdem verdammt ernst genommen werden, natürlich auch von unseren chefs, denn wir wissen es eigentlich besser. wir möchten dicke kohle verdienen und große autos fahren. wir möchten erwachsen sein, und dann aber auch wieder nicht. eltern dürfen gerne noch großzügige geschenke machen, sich aber nicht mehr in das leben einmischen - das können wir doch bitte alleine entscheiden. und familie finden wir toll, nur noch nicht jetzt, sondern erst, wenn wir groß und bereit dafür sind.

es gibt die unglaublichsten auswüchse an spätjugendlichem wahnsinn zu verzeichnen, und man muss nur einmal durch den bekanntenkreis blicken. einer zieht nach jahren der alleinig geführten wohnung wieder in eine 3er männer wg. andere ziehen jeden samstag wild saufend um die häuser, um wie teenager nachher im schlimmsten pub der stadt zu versacken - in gesellschaft von teenagern, wohlbemerkt. andere geben ihr gehalt für spielekonsolen aus und gehen nicht mehr ins fitness-studio, weil man neuerdings seinen body vorm fernseher stählt.

die älteren generationen über uns verstehen uns nicht mehr. können nicht nachvollziehen, warum wir nicht sparen wollen. warum wir kredite für scheisse aufnehmen. warum wir nicht einfamilienhäuser auf dem dorf kaufen möchten. und dabei sind wir doch gar nicht so anders wie sie - nur ein paar dekaden weiter. sie waren ja schliesslich auch ganz anders als ihre eltern, haben für ihre zeit vollkommen verrückte dinge getan. vielleicht muss man alles einfach in realation sehen.

im grunde sind wir gar nicht so zwiegespalten, sondern gerade nur dabei, unsere eigene definition von älter-werden zu schaffen. gerne auch mal einen schritt zurück, um entspannter nach vorne zu gehen. freitag-taschen beim kunden, turnschuhe zur hochzeit und vodka redbull als aperetiv gehören einfach zu uns, und wir möchten es nicht missen. die jüngeren generationen werden vermutlich anders sein wie wir, wenn sie 30 werden, und für uns total unverständliche dinge tun.

ist doch eigentlich schön, dass wir so sind. oder?


23. Juni 2008

auf der suche nach mr. big

vor zwei wochen berichtete der stern über die tollen frauen unseres landes und die unfähigkeit, den richtigen mann zu finden. the city without sex. viele kurzinterviews berichten alle über erfolgreiche single-frauen, in eigentlich erschütternder art und weise - wäre es nicht eigentlich so amüsant, könnte man schreien. und sich fragen, warum das so ist: warum haben männer soviel angst, eine tolle frau zu haben?

wir sind nicht zu alt, nicht zu hässlich, nicht zu reizlos. bringen intellekt mit und charme. die meisten sogar humor. sind flexibel, offen, liebevoll - und meistens alleine. denn im stechen um mr. right haben wir gegen die chantals, jaquelines und chayennes mit pinkem top und pornobrille leider in der entscheidenden phase verloren.

wie immer kann man das thema von zwei seiten beleuchten. entweder sind wir einfach zu anspruchsvoll, oder die mr. rights zu weich oder gar zu kraftlos, sich einer frau privat auf derselben intellektuellen ebene zu stellen.

der anspruch. was wir suchen, ist simpel. er muss nicht der schönste, tollste, beste sein. er muss nicht die fitness erfunden haben und auch nicht ständig die tür aufhalten. auch rosen wollen wir nicht ständig. aber wenn man aufblickt, muss er einen schatten werfen. wir müssen nicht aufschauen zu ihm, aber wenigstens geradeaus. nicht beruflich, denn das ist nebensächlich, solange man weiss, man ist auch mit problemen des alltags zwischen neun und achtzehn uhr gut bei ihm aufgehoben. kann sich mal etwas von der seele reden und konstruktiv etwas zurück erwarten, ohne noch vorher kurz eine vorlesung in bwl, jura oder personalführung gehalten zu haben. der draht muss einfach da sein.

und es stellt sich raus: nur wenige männer wollen das. eine frau, die mit ihrer personalverantwortung, einem fall vor gericht oder einer anstehenden bypass-op ein problem hat und dies beim abendbrot erzählt, scheint irgendwie den grundgedanken des plätschernden gesprächs beim essen zu stören. da doch vielleicht lieber die storys über die vergeigte ablage, die böse kollegin oder den motzenden chef, als der kaffee nicht pünktlich da war. die studiVZ gruppe dazu steht: lieber wär ich blond und blöd.

und ohne mit der wimper zu zucken könnte ich aus den vergangenen 12 monaten real-beispiele beschreiben, die genau davon erzählen. und je nach art des weiblichen freundeskreises kann das jede frau um die 30, sich selber mindestens einmal eingeschlossen.

die lehre daraus ist traurig aber unumstößlich: so wird es sein, so wird es bleiben. die erfahrung zeigt uns: mit partnern, die man im gespräch schon im ersten schachtelsatz verliert, da sie inhaltlich nicht mehr hinterher kommen, ist die beziehung vorbei, wenn die geduld erschöpft ist. und wir selber sind für die mr. bigs nur für einen monats-fling interessant – maximal.

hoffnung hatten aber alle, die sich im stern outeten. gott sei dank, ladies – denn die stirbt zuletzt!

1. April 2008

ein sack geduld


hier und da wird es immer wieder in den magazinen, die das land bewegen, aufgegriffen: die ex-beziehungen und die wirkung auf uns und unsere entwicklung. unlängst schreibt die NEON darüber - interessanter artikel. doch ist es wahr? grenzen wir das thema ex immer erst einmal aus, um nur so wenig altlast mit in das frische, neue mit rüber zu nehmen wie nur nötig? oder geben wir nicht gerne dinge von uns preis, die uns klein machen, die uns zeigen, wie wir wirklich sind, die unsere verletzliche seite zur show stellen? wieviel doch könnte man daraus lernen und positiv daraus herausziehen, würde man sich dem nicht intuitiv verschliessen.

die NEON beschreibt genau dieses phänomen, das komplette dichtmachen vor der jeweiligen anderen beziehung, und auch vor der eigenen vergangenheit, und dem daraus resultierenden mysterium ex, welches sich aufbaut.

fakt ist doch: jeder hat eine/n ex. mit manchen spricht man, mit manchen nicht. und doch tut jeder so, als hätte alles das, was vor der aktuellen beziehung stattgefunden hätte, einfach nicht stattgefunden oder jedwede bedeutung beim beenden der ex-beziehung verloren. frauen tendieren dazu, den verflossenen tiernamen oder schlimmere zu geben, während männer nach einer weile dazu übergehen, entweder den tatsächlichen namen zu vergessen oder die person gleich in die hirnhälfte zu verbannen, die brach liegt. verletzt sind alle, dies steht fest. ein fakt, der von bedeutung nicht grösser sein könnte.

und doch, so sehr wir verdrängen oder uns zumindest dazu bemühen, sind wir alle geprägt durch erfahrungen. wir werden wählerischer, und anstatt herauszufinden, was wir wollen, finden wir viel mehr heraus, was wir nicht wollen. jeder hat scheinbar einen sack voll geduld zu gewissen themen, und ist dieser schon vom vorgänger aufgebraucht, so ist und bleibt er leer. wird er trotzdem angesprochen, kriegen wir panik.

eine bekannte sagte neulich über ihre wirklich gutlaufende beziehung, sie würde zunächst nicht in erwägung ziehen, mit dem mann zusammen zu ziehen, weil der letzte ihr damit so richtig einen eingeschänkt hat. stimmt auch - hatte er wirklich. man sollte plakate drucken, auf denen steht: zieht mit diesem mann nicht zusammen! aber was kann der neue, wirklich liebenswürdige partner dazu? er geniesst auf einmal, bei diesem thema, nicht das vertrauen, welches ihm zustehen würde, nur weil ein anderer jahre zuvor die situation vergeigt hat.

man benötigt keinen psychologen wie in der NEON, um zu verstehen, dass man nicht von einem handeln auf das nächste schliessen kann. die quintessenz sollte man sich jedoch vergegenwärtigen: selbstkritik ist gefragt. und kommunikation. die fragen: vor was habe ich angst und warum? stellt sich nicht einfach, ist aber in vielen situationen essentiell.

unterm strich steht: nur den redenden kann geholfen werden, wie so oft.

13. März 2008

das schwelgen in belanglosigkeiten


jene phrase prägte ein bekannter vor ein paar wochen, im bericht über einen abend mit kollegen und aufgekratzten weibern ohne bedeutung und schilderte die vergeudete zeit, die er damit zubrachte, die grosse bespassung auf den tisch zu bringen. und seit dem frage ich mich: wie oft schwelgen wir tatsächlich in dingen, die nun überhaupt keine relevanz für den verlauf der dinge, das weiterkommen in einer sache oder das leben an und für sich haben. und weiss: zu oft.

prozentual gesehen warscheinlich häufiger als sich mit themen zu befassen, die wichtig sind, und vermutlich sogar die meiste zeit des tages. wenn man einen serviceorientierten job ausübt, tut man mitunter nichts anderes.

quätschen mit kunden hier und da, die ausser blabla nichts von dem preisgeben, was gerade tatsächlich passiert, telefonate mit freunden über den job, der einem eh eigentlich egal ist und diskussionen mit dem partner über dinge, die unwichtiger nicht sein könnten. sieht man freunde, hält man sich die meiste zeit, die einem gegeben ist, damit auf, dummes zeug zu erzählen, damit man es lustig hat, bespricht vielleicht probleme, die keine sind, um auch das beim ordern des nächsten mojitos wieder zu vernachlässigen. die meiste zeit ist an der oberfläche schluss.
und manchmal kommt man selbst da nicht hin.

mich verfolgt der gedanke, dass die immer so gern zitierte spassgesellschaft, von der wir uns immer am liebsten lossagen möchten, uns tatsächlich eingeholt und uns mit totalem wums überrollt hat. warum ist das so, dass niemand mehr ernsthaft fragt, wie es einem wirklich geht, und die zeit mitbringt, mal ins thema einzusteigen? warum kürzen wir den salmon über das tralala nicht mal ab, um eine wirkliche frage zu stellen?

umso wohltuender ist es jedoch, wenn man mal einen abend mit tatsächlichen themen verbringt und merkt: es geht doch. wenn man weiss, was man an dem gegenüber hat. wenn man bestärkt und hinterfragt wird und sich auch nachhaltig noch mit worten beschäftigt. respekt.

bestimmt geht es nicht ohne das tralala. lustig ist es manchmal, und befreiend zugleich, wenn man sich den namen des gegenüber nicht merken muss, während man auf einer nichtssagenden party einen schirmchendrink nimmt. und man abends sagen kann: mensch, war das lustig, aber mit wem hab ich da noch 3 stunden an der bar gestanden?

aber wie in allen dingen im leben gilt auch hier: die mischung machts. und vielleicht tut es dem einen oder anderen mal gut, die eigene ratio mal zu hinterfragen.

21. Januar 2008

herr kiez - wer ist das?


hamburg - eine komische stadt.

selten sieht man sozialen verfall so nah an tiffanys, an fettesten häusern, drogendeals direkt neben kinderklamottengeschäften, gummi-dildos neben burger king. alles und nichts ist möglich hier, und selten kommt man so schlecht an menschen ran wie in der perle.

selbst alle gesammelten erfahrungen in den anderen grossen städten dieser welt können hier nicht mithalten, selbst nicht new york. und hier hab ich ja schon ein paar wilde momente erlebt.

das erste mal in hamburg aus hab ich mir schon gedacht, dass hier jeden abend erneut die verfluchte stadt abgerissen wird. der abend aufm kiez beweist, dass es so ist.

hohe schuhe und matrosenjäckchen an, vollkommen deplaziert also, wackel ich in begleitung zweier ortskundigen den hamburger berg hoch. kurz rechts abgebogen - erste kaschemm, wie wir kölner sagen. rauchen kann man hier auf einmal doch, mich freuts, und bier bitte aus flaschen. der kiez lebt wohl von lauter rockmusik der 80er und 90er, so scheint mir, und während im hintergrund der britpop von fools garden läuft, störe ich ein paar minderjährige mädels auf dem klo bei einer line. sie sind nett und möchten mich gerne einladen. vielleicht muss ich einfach spontaner sein in einer stadt, die so scheisse spontan ist.

weiter, nächster laden. nur mit viel mühe kann ich die ortskundigen davon abhalten, mich in einer kneipe unterzubringen, die irgendwas mit goldenem handschuh heisst - vermutlich werde ich nie im leben den pegel erreichen, dass ich da reingehen möchte: sabbernde typen an der bar, die typen mit fensterplätzen schlafen schon mit offenem mund, irgendeine alte zieht sich halb aus. die musik geht im gegröhle unter. weia.

also der nächste laden, in dem irgendwie nur undefinierbare 60er musik gespielt wird. ich versuchs noch mal mit der toilette, keine drogen dieses mal, dafür aber wirkliches abenteuer. ich warte darauf, dass mir 7 sterne zugedacht werden, als ich die kellertreppe wieder hochkomme und kann mich nur schwer bremsen "ich bin ein star holt mich hier raus" zu brüllen. in diesem laden darf man verrückterweise nicht mehr rauchen, dabei sehen alle so aus, als hätten sie die tüte im anschlag. ortskundiger 2 macht sich die zigarre an, die wir vorher an der tanke erstanden haben, und danced zum beat. und zwar mit 2 ladies, die gerade in richtung tagesvollste steuern, und ich frag mich, wie alt sie so sind. lasse die frage mal laut im raum stehen - ein paar minuten später ein bekannter: höchstens 22. ich tippe auf 19, will aber niemanden verärgern.

die musik geht aus - gänzlich. WER AUCH IMMER HIER NE ZIGAAAARRRREEE RAUCHT, MACHT DIE SCHEISSE AUS!! ortskundiger 2 geht in deckung, wir liegen am boden vor lachen. aus geht nicht, also geht er raus. und tanzt, mit bier und zigarre, fröhlich vorm fenster, an dem der dj aufgebaut hat weiter. entertained den ganzen laden damit, ich habe das gefühl, alles starrt ihn an. aber gut, warum nicht, und so geh ich auch raus, um mit ihm den hamburger berg zu betanzen. kann den dj von dort aus sehen, und das kleine mädel, auch höchstens 19, die unterm dj sitzt, leichtbekleidet, und kifft. schlage kurz vor, dass wir uns mit der zigarre dazugesellen, aber der platz ist beschränkt.

vor der tür lerne ich thomas kennen. nein, eigentlich lernt ortskundig 2 thomas kennen, und nach 3 minuten sind sie ihre krankenakten einmal durch. ich stelle dann beide einander vor, und thomas fragt mich - vollkommen unvermittelt - was ich beruflich mache. sag ich nicht, findet er doof, nervt, also bin ich postbote. glaubt er nicht, also sein problem, und schon ist thomas sauer und ich hoffe, ich setz keine schlägerei in gange.

gerne gehen wir dann, nämlich ins lucky star, und zwar um mexicaner zu trinken. man stelle sich vor, eine kneipe, wie man sie in normalen oder auch randnormalen situationen nie betreten würde und jeden bemittleidet, der hinauskommt. wir waren also drin. 5 gestalten an der bar, einer davon bestellt einer ihm unbekannten einen shot, beide trinken, knutschen, hauen ab. später muss ich lesen, hier ist das prinzip des restefickens hoch im kurs. gott sei dank hab ich das erst nach meinem besuch gelesen. wir trinken also diese mexicaner und schauen noch ein wenig den hinterbliebenen beim diskofox-poppen zu, bis dann der abend zu ende ist.

hamburg - du bist echt schräg. ich befürchte, wenn man auf dem kiez war, muss man drüber sprechen. wenn man ein zweites mal hingeht, sollte man lieber nicht mehr drüber sprechen.
oder?

2. Januar 2008

die guten vorsätze

wie es so ist, am zweiten januar sitzt man wieder am platz, hunderte emails tickern ein mit guten wünschen für das neue jahr, die berge post stapelns sich mittlerweile schon auf dem bürostuhl, da der schreibtisch zu voll ist und man lässt sich nieder in dem wust und denkt sich: same procedure as last year.
unter dem berg post dann die wochenpresse. der focus startet mit den guten vorsätzen und den dingen, die uns vermeintlich perspektive in unser leben bringen sollen.

nach kurzer durchsicht kann ich nur noch mit dem kopf schütteln: was ein unfug.
als allerersten tipp für einen erfüllteren alltag der klopper: man soll auf die modernen kommunikationsmittel in gänze für eine weile verzichten. hab ich schon mal probiert, in totalem selbstversuch, und selbst am pool liegend auf mallorca war es schier unmöglich. und ebenso wenig entspannend.

tipp nr. 3 rät dazu, auch mal andere wege zu gehen. beispiel hierzu: zähne mal mit der anderen hand putzen. ich bin sicher, dadurch wird mein leben immens bereichert.

oder auch: gründen sie eine eigene firma. ich vermute, mitte des jahres können wir dann über die abschaffung der gründerfonds und einen weiteren crash der new economy lesen. im focus, versteht sich. abgerundet wird dieser tipp mit dem zitat: selbständige sind glücklicher. ich kann nur lächeln und kontern: selbständige haben nur probleme auf anderem niveau.

bei tipp nr. 13 muss ich herzlichst lachen und denke an meinen lieben freund, für den dieser hier bestimmt ist: grüssen sie an der ampel die fahrer links und rechts von ihnen. gerade gestern noch konnten eben diese froh sein, nicht direkt eins auf die 12 zu bekommen, nur weil sie rechts und links von unserem auto an derselben ampel warteten. ein spitzen-tipp.

tipp 15 rät dazu, einem gemeinnützigen verein beizutreten. noch fragen?

und so geht es weiter, über die ermutigung zum volkslauf oder zum pilgern, ökoreise, sprache lernen, wahre berufung finden, gedicht auswendig lernen (ich empfehle hier etwas skuriles wie den sterntaler - belustigt alle zuhörer), hamster anschaffen, segelflieger fliegen, flirten in der company, ausländischen kindern deutschnachhilfe geben, ins kloster gehen, eine auszeit nehmen, fünf witze lernen, sich glücklich singen, in eine kommune ziehen und ein buch schreiben.

unterm strich steht: leider nichts wirkliches für mich dabei, das mein jahr besser machen könnte als das vergangene.

aber sich mit dem neuen jahr beschäftigend fallen mir persönlich nur 2 gute dinge ein: es besser machen als im letzten jahr, und die wenigen guten dinge des letzten jahres nicht mehr loslassen.
das würde schon reichen.

in deisem sinne: frohes neues!

22. November 2007

alles, was zählt


chapeaux, herr petzold. nach einer langen durststrecke über augen-op's und alterspflege nun mal wieder ein titel-thema, was bewegt. ein thema, über das sich lohnt, zu schreiben. der heutige stern berichtet über "was im leben wirklich zählt". über menschen und ihre entscheidungen. über werte, über ängste. über freundschaft. und über geld.

was wichtig ist, entscheidet jeder für sich. wertvorstellungen und lebensphilosophien könnten unterschiedlicher nicht sein, selbst in gleichen altersgruppen. ich glaube, wir anfang-30er sind hier an einem scheitelpunkt des lebens, bzw. an dem punkt, an dem das erste mal werte differieren und von enormer bedeutung sind. unser leben wirklich prägen. die fragen nach dem, was wir sind, und dem, wo wir hin wollen, settled sich so langsam und man erkennt für sich selber, wo das eigene glück liegt - und wo beim besten willen nicht. der erste sprung in der karriereleiter ist getan, man hat im zweifel das erreicht, wovon man die vergangenen 5 jahre sprach - job, geld, ausland. hats gesehen und sich daran gewöhnt. aber macht das glücklich, und geht es so nahtlos weiter? oder liegt der wert eigentlich mittlerweile woanders - vielleicht bei familie, dem partner - oder auch nur in faktor freiverfügbare zeit? dinge, an die man zuvor nicht denken wollte.

der stern zitiert hier einen berliner philosophen. was den menschen treibe, sei die sehnsucht nach glück. und im verständnis der moderne sei glück letztendlich die maximierung von lust und die minimierung von unlust. und stellt die frage, ob lust denn wohl unendlich maximierbar sei. eine wirklich tiefgründiger gedankengang folgt: lust ist steigerbar im sinne von hochgefühlen - so wie gutes essen, guter wein, guter sex -, hielte aber nicht lange vor. was zählt, sind die zeiten zwischen den kicks, was geschieht da? eigentlich ginge es um mehr bei der frage nach der sehsucht nach glück, nämlich um die frage nach dem sinn. "wo sinn erfassbar wird, ist glück die folge."

und da ist ne menge dran. so viele menschen sind unglücklich mit sich und ihrem leben, ihrem umfeld, weil sich einfach kein roter faden durch ihr leben zieht. weil sie niemanden zum teilen haben, zum lachen, keine konstante bindung. und fakt ist: je mehr man voranschreitet, desto mehr brauch man diese konstante in seinem leben, um nicht irgendwo auf der strecke verloren zu gehen.

wie wahr das ist, merkt man erst, wenn sich für sich selber der sinn erschliesst. unlust, im sinne von schmerz oder belanglosigkeit, wird erst greifbar, wenn man den sinn kennengelernt hat. wenn sich auf einmal alles wie ein puzzle zusammenfügt, auch wenn man zuvor dachte, das puzzle wäre halbfertig auch schon ok. wie schön es ist, wenn man sich zurücklehnt und feststellt: endlich alles gut.

die quintessenz steht. was zählt, ist glück. und zwar das, was von innen kommt. das glück, das nachhaltig da ist und einen auch in fiesen momenten glücklich sein lässt. eben dieses, das die seele beruhigt. so, dass man wirklich man selber ist.

30. Oktober 2007

falling down


manchmal gibt es ja so tage, da weiss man: ich raste gleich aus, und keiner kann mich stoppen. kleinigkeiten geben den auslöser zu grossem, und ehe man sich versieht, spricht der mund schon wacker drauf los, bevor sich das gehirn einschalten konnte.

heute ist so ein tag. und wie an den anderen tagen auch, an denen ich mich über kleinigkeiten schwarz ärgere, liegt es an der inkompetenz, service-unbereitschaft oder ganz platt den schlechten manieren meiner mitmenschen. wie kann es sein, dass manche einfach keine grundsätzlichen verhaltensformen gelernt haben, diese irgendwann vergassen oder auch nur für gewisse zeit ausblenden, wenn sie meinen, es müsse gerade nicht sein. wie kann man sich fremden gegenüber einfach benehmen wie eine offene hose?

ich werd heute nacht wach zu jan delay - mein klingelton, "alles ist im arsch", der mich durch die letzten monate brachte. blick auf den wecker, kurz nach 5. what the fuck. blick aufs handy. mir unbekannte nummer, später finde ich heraus: schwäbisch hall. ich geh natürlich ran - murmel irgendwas von ja bitte und was ist denn wohl. "haaallloooo?" jaja, bin ja dran. "isch hät gärnamal ihr mann gsproche." fuck, wie redet der denn? und wie? meinen mann? ich schau mich um. otto - telefon für dich. ich sage aber "ai hiä gibs kai mann." und werde promt gefragt "wä isch dänn do?" ... ich sag meinen namen und: der drecksack legt einfach auf!! ohne ein "entschuldigen sie die störung!" oder "das tut mir leid, dass ich sie geweckt habe!" - hallo? fünf uhr morgens! ich bin wach und sauer, noch ehe die sonne aufgeht. das kann ja was werden. 2 minuten später schellts wieder. ich geh wieder ran und knatsche in den höhrer: verwäääääääääählt alter! klick: wieder aufgelegt. beim dritten mal drück ich ihn weg und stell das handy stumm.

dann, auf dem weg zur mittagspause. wir warten auf den aufzug. in unsere etage kommt man nur mit chip, oder wenn man hochgelassen wird. die fahrstuhltür geht vor mir auf und 2 typen stehen drin - marke pumpgun. mein kollege fragt sehr höflich: kann ich helfen? und ihm schallt entgegen: "na klar, ich will raus!" ich hab gedacht, mein schwein pfeifft und gleich werde ich zeuge einer prügelei direkt vor ort, aber wir steigen schnaufend ein und fahren runter.

3 minuten später an der tankstelle ist es dan soweit. ich tanke voll und gehe zahlen, mit kreditkarte. separat bestell ich eine packung zigaretten. die kreditkarte wird durchgezogen, alles tippitoppi. nun muss ich dazu sagen, dass ich noch aus amerika-zeiten eine karte habe, die nicht unterschrieben ist, sondern mit dem hinweis versehen, man möge mich bitte nach meinem ausweis fragen. ist da so usus und wirklich sinnvoll, wen man bedenkt, dass da drüber wirklich alles mit cc bezahlt wird. noch nie hatte ich hier ein problem damit. die alte schaut mich allerdings sehr sehr kritisch an und zischt: was soll das denn sein?? ich ziehe also meinen ausweis raus und erkläre ungefragt, dass sie meine unterschrift hier abgleichen könne. das seie nicht rechtens. aha. gut - weiter? man müsse kreditkarten unterschreiben. nein, sage ich, das sei einem freigestellt, eine referenz zur unterschrift unterzubringen, wenn einem danach ist - und mir war danach. sie sei nicht verpflichtet, die kreditkarte anzunehmen. nochmal die situation: die keditkarte war schon durchgezogen und ich hatte unterschrieben, mit einem unterschriftsvergleich zum perso. da war es leider um mich geschehen und ich leg mich also mit der schrulle an. so eine frechheit. ich knall ihr noch 4 euro für die kippen hin und schnaufe raus.

was ist denn bitte so schwierig dabei, mit gästen und kunden nett umzugehen? das sollte ich mir mal erlauben. ich wäre den kunden schneller los, als dass ich den patzigen satz beendet hätte! es gehört doch bitte dazu, seinem gast zu danken und einen schönen tag zu wünschen. oder sich vorzustellen, wenn man irgendwo vorspricht. oder sich für einen fehler zu entschuldigen.

ich bin mir sicher, dass man sich auch mal irgedwann darauf geeinigt hatte, dass der knigge irgendwie für alle zählt - was wurde denn daraus?

mein learning der letzten zeit steht: nichts mehr gefallen lassen. wer nach auf die fress schreit, hat auch auf die fress verdient. punkt.

15. Oktober 2007

homage an bff

ziemlich leichtfertig geht man in einigen teilen dieser welt mit dem wort "freund" um. die englische sprache macht zum beispiel gar keinen unterschied zwischen "freunden" und "bekannten", und bezeichnenderweise hat man das gefühl, gerade in amerika würde es auch auf diesen feinen unterschied nicht ankommen. alle sind oberflächlich gesehen freunde, die leute, mit denen man sich täglich umgibt und zeit verbringt. ex-freunde werden auf einmal zu freunden, arbeitskollegen, kunden - wer noch? bald auch der wurstfachverkäufer und der mann, der mir meine zigaretten jeden morgen verkauft? was ein dummer quatsch.

heute morgen hatte ich diesen gedanken, während CAKE mir entgegenschallte: "to me, coming from you, friend is a four letter word". richtig. wir befinden uns mittlerweile in einem alter, in dem das casting zum besten freund abgeschlossen ist und man sich besser darauf verständigt, seine wahren freunde und freundschaften auszubauen. sich nicht mehr in der oberflächlichkeit zu verrennen, denn das, was die welt für uns bereit hält, wird immer schwieriger und wir können uns glücklich schätzen, ein paar wirkliche wegbegleiter zu haben, die einem das leben versüssen.

was man an einem wirklichen freund hat, wird schnell klar, wenn man erkennt: er kennt mich besser als ich mich selber. kein überflüssiges geschwätz, keine floskeln, nur klare worte. ehrlich und direkt, völlig unverhüllt. und man versteht: er hat recht. er hat einfach so recht.
wenn kurze worte einen zu tränen rühren und man versteht, da macht sich jemand mal so richtig gedanken. selbstlos, einfach nur, damit es mir besser geht.

solche freunde sind eine unschlagbare erfindung der natur. ich bin sicher, dass kein mensch fähig ist, mit sich selber durchzukommen, hat er nicht einen besten freund an seiner seite. ohne sie fehlt die perspektive, die tiefe, der rückhalt. in wirklich sehr sonderbaren fällen kann man ohne seine besten mates sogar sein liebesleben nicht alleine auf die reihe kriegen. wie das leben halt so spielt.

man sollte sich ruhig öfter mal sagen lassen, wer man ist und was für einen gut ist, wenn es aus der richtigen richtung kommt. oftmals ist man verwundert darüber, wie einfach sich das leben auf einmal darstellt...

7. Oktober 2007

white lies


die lüge ist ein sehr trauriger ersatz für die wahrheit, aber sie ist der einzige, den man bis heute entdeckt hat.

(elbert hubbard - schriftsteller und verleger, 1856-1915)

24. September 2007

es kann passieren, was will: es gibt immer einen, der es kommen sah


so sagte mir meine zitat-des-tages-email heute morgen. wie richtig und wie gemein es ist, merkt man erst, wenn man es sich auf der zunge zergehen lässt.

man trifft so viele entscheidungen along the road, manche werden diskutiert, manche trifft man insgeheim für sich selber, manche wägt man ab, hin und her, um dann zu einer entscheidung zu gelangen, die mehr oder weniger begründet ist. oftmals hat man angst vor entscheidungen, seien sie gross oder klein, und weiss nicht, mit welchen konsequenzen man zu rechnen hat. oder noch schlimmer: man ist sich der tragweite einer entscheidung überhaupt nicht bewusst.

und wenn es in die hose geht, gibt es immer (und zwar iiiiimmer!) menschen im umfeld, die es schon vorher wussten. die schon von anfang an gesehen haben, der typ ist nix für dich. oder das unternehmen geht den bach runter. oder auch nur kleinigkeiten, wie "der abend wird scheisse, ich wäre da ja gar nicht erst hingegangen".

besserwissen hinter vorgehaltener hand ist unerträglich. bestimmt muss jeder aus seinen eigenen fehlern lernen, sie machen und dazu dann stehen und die eigene suppe auslöffeln. unfassbar jedoch, wenn auf der hand liegt, dass es eine fehlentscheidung ist und man sich aus welchen beweggründen auch immer aus der angelegenheit raushält, um sich dann lieber mit anderen nicht-involvierten darüber auszutauschen.

natürlich tut das offene wort häufig weh. niemand will hören, man soll eine beziehung, einen job, ein angebot oder einen traum ob der fehlenden perspektive sausen lassen. oft scheitern freundschaften an jenen ehrlichen worten, die herzlich und gut gemeint sind. in relation jedoch zu den freundschaften, die nicht scheitern, weil einfach oberflächlich erzählt wurde und stumm dabei zugesehen wird, wenn jemand auf die schnauze fliegt... meiner meinung nach sind die tatsächlichen freunde die, die sich nicht scheuen, sich vor den euphorischen zug zu schmeissen, um ihn abzubremsen.

es gibt 2 dinge, über die ich froh bin. erstens, dass es gott sei dank auch viele entscheidungen gibt, die man, auch wenn sie angezweifelt wurden, nicht bereut. die total richtig waren und sich auch im nachhinein als die besten entscheidungen der saison rausstellen.
zweitens jedoch, dass es ein paar wenige menschen gibt, auf die man zählen kann, egal, was ist, und die einen nicht mit träumen oder verquerten ideen gegen die wand flitzen lassen.

i told you so.

13. September 2007

bis einer heult


gott sei dank hat jeder mensch seine eigene art, mit den dingen und situationen des lebens umzugehen. gott sei dank. deswegen, da es unerträglich wäre, wären wir alle gleich gestrickt.

wenn es jedoch in schmerzliche situationen kommt, oder momente im leben, in denen von einem erwartet wird, bestimmt zu reagieren oder besser: zu funktionieren - und wir tun es einfach nicht? sind wir dann schlecht?

am polarisierensten von allen situationen sind warscheinlich tod und liebe. skurilerweise häuft es sich manchmal (man sagt ja, der teufel scheisst auf den dicken haufen) und beides spielt sich unmittelbar in einer woche ab. man weiss nicht, wie man sich mit dem tod auseinandersetzen soll, was man tun soll, was man sagen soll. wie soll man fühlen? das gleiche gilt für die liebe: was soll man tun oder auch nicht, und wohin mit sich selber, wenn die frage nach der unerwiderten liebe einfach nicht beantwortet werden kann. wenn es keine antwort gibt.

die naheliegenste strategie: verdrängen. wie die bezaubernde jeannie, pling pling, und ich bin nicht mehr da. auf wiedersehn, meister. und oft funktioniert das wunderbar. auch gerne lange. aber nie lange genug, um über schmerz oder untergrabene gefühle hinweg zu helfen.

heute wurde ich überrumpelt. von einer todesanzeige. nie hätte ich damit gerechnet und es hat mich ziemlich getroffen. ich bin dem thema relativ zügig aus dem weg gegangen. annehmen der nachricht. fortbleiben der beerdigung. nicht mehr drüber sprechen. funktioniert. allerdings nur für eine woche - dann jetzt wie gesagt der reminder, dass da noch etwas verpackt werden möchte.
mir wurde gesagt, ich wäre feige. so könnte man sich nicht mit dem thema auseinandersetzen. man müsse zu beerdingungen gehen und so. aber mal echt: ist es feige, wenn man weiss, man kann einfach nicht? kann das nicht jeder für sich selber entscheiden? jetzt, wo ich die anzeige sehe, zweifel ich wieder daran.

im prinzip läuft es mit der unerfüllten liebe genauso. man kann monatelang davon laufen und so tun, als wäre nichts gewesen. mit genügend sichtabstand erträgt man ja das dumpfe gefühl, da es ja nicht in sichtweite ist. rückt es aber wieder in das unmittelbare sichtfeld, ist man ausgeliefert und genauso weit wie zuvor, bevor man sich versteckte. bizarr irgendwie, wie solche gefühle irgendwie bleiben. als ob sie einfach stehen bleiben, während man sich selber vor sich im kreis dreht, weil sie ja wissen, dass man zwangsläufig an diesen punkt zurückkommt, um sie wieder abzuholen...

ein learning hab ich heute nicht. manche fragen bleiben wohl einfach unbearbeitet im raum stehen. vielleicht holt sie ja auch irgendwann einer ab, wer weiss?

2. September 2007

relativität im spiegel der zeit


alles um uns ist relativ. zeit, raum - so schon galileo galilei. doch schon im kleinen kann ein jeder für sich feststellen, dass selbst im trübsten alltag dinge im nebel der relativität verschwinden und so unwirklich werden, dass man sich beizeiten fragt, warum man sich überhaupt so intensiv damit auseinander setzt.

am relativsten im täglichen umgang sind jedoch probleme. manchmal bäumen sie sich auf, man klagt und weint, das problem scheint schier unlösbar und man selber glaubt an das nahende ende der welt. bis zu dem zeitpunkt, in dem ein neues, noch grösseres problem ins bild tritt und man merkt, wie unbedeutend und klein das vorherige problem im vergleich ist.

und auf einmal kommt wieder klarheit in den kopf. was war das eigentlich, was da die vergangene zeit so einen ärger gemacht hat, und warum eigentlich? war es wirklich so schlimm, oder hatte man nur nichts bedeutenderes, mit dem man sich beschäftigen wollte?

es gibt dazu ein zitat, welches ich leider gerade nicht mehr finden kann. es ging aber so ähnlich wie: die einfachste lösung eines problems ist das auftauchen eines schlimmeren. wer auch immer dies sagte, kluger kopf.

auch, wenn ich die häuslichen und alltäglichen probleme nicht mit den grossen weltproblematiken wie hunger oder krieg vergleichen möchte - denn sonst würden wir wahrscheinlich nie mehr froh - so sollte man doch von zeit zu zeit seinen eigenen kummer hinterfragen und zur diskussion stellen, denn ich muss feststellen: die meisten ärgernisse sind hausgemacht und nicht so schlimm, findet man nur ein wenig abstand.

20. August 2007

zitat des tages

wenn man sagt, daß man einer sache grundsätzlich zustimmt, so bedeutet es, daß man nicht die geringste absicht hat, sie in der praxis durchzuführen.

(otto von bismarck - deutscher staatsmann, 1815-1898)

9. August 2007

wonderdrug.com



man lernt ja immer dazu, und staunt nicht schlecht, wenn man auf der reise ist. vorallem hier, im land der unbegrenzten moeglichkeiten. hier, wo aspirin nicht eine kopfschmerztablette, sondern WONDERDRUG ist, fuer jeden erhaeltlich, in 50er, 100er, 200er oder 1000er rationen. fuer nicht mehr als 9 dollar, und zack: eine handvoll eingeschmissen und weiter gehts. pflaster gibts hier in antibiotika getaucht (blasen heilen so wirklich fantastisch!) und auf einen mueckestich pappt man einfach mal freiverkaefliches fettes kortison. was solls, sterben tun wir ja eh irgendwann.

nur das mit dem rauchen, das ist nicht so fein, zumindest nicht in der stadt, die niemals schlaeft (und niemals raucht). ich sehne mich nach hinsetzen, trinken, essen und rauchen, und am liebsten alles gleichzeitig, aber es sei mir vergoennt. gerne akzeptiere ich das nichtrauchen in geschlossenen lokalitaeten, aber auf der terrasse an der strasse geht mir der sinn ab. nach dem ersten tag pflastertreten gehen inga und ich ins village auf ein zwischenkoelsch. der laden heisst loreley, hier habe ich schon manche abende und auch karnevalparties verbracht, alles koelsch, total nett. doch der wind hat sich gedreht, und als ich mir im hiesigen biergarten eine zigarette anmache, werde ich in englisch von dem oesterreicher-kellner hingewiesen, dass ich in der non-smoking-section sitze. man stelle sich das so vor: 3 bierbaenke nebeneinander, und rechts die zwei sind non smoking, die linke ist smoking. ich frage ihn auf deutsch, ob er noch alle auf der kette hat, ich hab fuesse und ruecken und schmacht, und werde weder aufstehen noch auf die schon brennende kippe verzichten. aber nein, es gibt aerger, und waehrend ich noch "ab 12 uhr wird zurueckgeschossen" murmel, sehe ich mich schon aufstehen und in der ecke rauchen, waehrend ein grosses koelsch an meinen tisch geliefert wird. unfassbar.


und schnelllebig ist man in nyc. noch vor nicht all zu langer zeit war der knaller, freitag abends auf einem rostigen boot an den chelsea piers tanzen zu gehen. ich berichte inga, wir machen uns fertig und troopen mit dem taxi einmal quer durch die stadt. steigen aus. hier muss es sein. nach 5 mal hoch und runter laufen kapitulier ich und muss eingestehen, schiff vermutlich abgesoffen, pier eingestampft, jetzt alles brachland. scheisse, nichts ist mehr so, wie es war. und ich bin wieder tourist in der stadt, in der ich gewohnt habe. ein mieserables gefuehl.


nach 48 stunden nyc ist mir wieder voellig klar, wie es damals zu den extra 20 pfund am arsch und bauch gekommen ist. man kann hier ja fressen, bis der arzt kommt. allein morgens die auswahl an ruehreibroetchen, bagels und brownies, gerne auch fruehstuecksburger oder ein kaeseomlette (ei-kaese-ei-bacon) laesst einen schnell vergessen, dass man fuer gewoehnlich nicht fruehstueckt und 1 bis 3 kaffee und eine zigarette voellig gereicht haetten. aber da ist das problem wieder: kippe und kaffee klappt einfach in der kombi nicht, also substitution. das einfache prinzip der beduerfnis-theorie. 2 tage fressen-fressen-fressen, und inga und ich haben 3 grosse business-ideen entwickelt zum thema erlebnisgastronomie in neuss. da ich ja schon ein business habe, ist klar, inga muss es machen, aber das tut der sache keinen abbruch. das konzept steht nach 2 mal china und malaysisches essen am mittag, namen werden entwickelt und supplier ueberlegt. unser business steht, und deswegen kuemmern wir uns gedanklich noch ein wenig um das business eines bekannten, diskutieren die vor- und nachteile der einzelnen businesselemente und der namensentwicklung, bagelverkauf versus kekse, kaffeelabeling versus bestehender name und so weiter. vielleicht haette er uns und unsere diskussion gehasst, aber bestimmt waere was fuer ihn dabei gewesen.


erschreckend in jedem atemzug ist die mode-erscheinung hier - fuer mich nichts neues, aber inga faellt jedes mal tot um mit den worten "aiaiaiaia, aber entschuldigung, muss das denn sein" und deutet zum beispiel auf die dame in braun in der ubahn, die ihren jogging zum ausgehen traegt. brauner nikki, total schick, bauchfrei auf mindestens 90 kilo lebendgewicht, haare sind unecht, leider schlecht gemacht, die naegel zeigen wahrscheinlich paradise island und die zehnaegel zierten mal knatschblaues french, leider ist das schon seit 3 wochen rausgewachsen. haesslich wie die nacht, aber ich rate inga, nicht mehr so zu starren, da der freund mit der goldkette und dem durag auf bestimmt nicht amused is, wenn inga noch weiter die nicht-pedicurten naegel anschaut.


was mich aber wirklich verwundert und was eine weitere, wirklich grossartige businessidee ist, wenn alle stricke reissen, ist die schlichte abwesenheit von martini hier. am ersten abend, voellig durch den wind von dem paris-ny flug und gluecklich, essen und einen normalen stuhl zu bekommen, steh ich an der theke in irgendeiner bar und bestelle ein bier fuer inga und einen martini fuer mich, das abendprogramm der vergangenen 3 wochen. ich schau mich um, bekomme dann 2 glaeser vorgestellt und zahle. wir stossen an und: fucking vodka straight up. oh weh. auch schoen, aber ich hatte es mir ein wenig langsamer vorgestellt heute abend. ich dachte, die haette sich vielleicht verhoert und haette verstanden, dass ich einen sour martini oder einen vodka martini oder dirty martini bestellt haette. ich stelle aber bei der zweiten rund fest, dass ich hier keinen martini bekomme und wirklich auf vodka ausweichen muss.
nun denn. ueberlege aber wirklich, ob ich martini importieren soll. bestimmt finden die maedels das hier auch lecker und genau wie ich immer wieder gruende, da massenhaft von zu trinken.

reflektierend ist ny wirklich zu mir wie ein gutaussehender mann. total geil und wahnsinnig schoen, aber wirklich durchblicken kann ich ihn nicht...


danke fuer die geile zeit, gotham!

8. August 2007

sarcasm on the move

wahnsinnig frueh morgens, und ich stehe mit einem kaffee und einer abschieds-zigarette an der offenen tuer meines privaten getaways zu hause und warte darauf, dass der trip losgeht. noch bevor ich zuende rauchen kann und die letzte ruhe wirken lasse, klingelt es an der tuer und es geht los. auf dem weg nach DUS - dann nach paris - nach nyc.

aufenthalt in paris ist immer die hoelle in dosen. auch dieses mal, und wir warten geschlagene 2 stunden. viel zu viele franzosen rennen da rum, und es wird viel zu viel franzoesisch gesprochen dafuer, dass es erst frueher mittag ist. aus langeweile in den duty free, und erstmal 200 zigaretten kaufen - man weiss ja nie. eine wuerde ich gerne anmachen, und so mache ich mich auf, die smoking section zu suchen. keine zu sehen, und ich frage also den vermutlich aus senegal eingewanderten franzockel, wie das hier so ist, und obs ihm was ausmachen wuerde, mal kurz das fenster aufzumachen, welches er gerade mit einer wirklich unfassbaren akribie putzt. das rollfeld hat doch bestimmt kein problem mit einer kippe. nein, das ginge nicht. und das ginge grundsaetlich nicht, denn der flughafen sei rauchfrei. wie? so gaenzlich, meinen sie? ja. und wenn es mir nichts ausmache, wuerde er jetzt wieder weitermachen. wie nett. vorurteil bestaetigt, franzoesische maenner sind wirklich nur in filmen nett.

voellig ungeraucht besteige ich also mit einem hals so dick wie die milchstrasse den flieger, in dem ich nun 7 stunden sitzen werde. wir sitzen auf den billigen plaetzen hinten, allerdings nicht so billig, denn es ist eine erste reihe und es gibt mehr platz. neben mir, als ich mich und den 1000 seiten schweren harry potter in den staubigen sitz fallen lasse, ein opa. er steht und knatscht so ziemlich jeden an, und noch waehrend in der reihe neben uns babyschalen ausgeteilt werden und weiter 5000 menschen boarden, legt sich opa schon mit purser an ("who is responsible here?") obschon der tatsache, dass seine go-go-gadgetto-beine wohl nicht in diese stuhlreihe passen und er gerne einen notausgang-platz haette. die maschine ist voll und der chef kann sich keinen weiteren notausgang-sitz schnitzen, der pilot muss auch unweigerlich auf seinem sessel sitzen bleiben, also schaut opi in die roehre. er findet das nicht witzig, und mit murren laesst er sich nach 20 min nieder.

die getraenke kommen, und opi ist an der reihe mit bestellen. er will eistee. der franzoesische steward hat dies leider nicht im angebot. wie, fragt opi. kein eistee? nein, nicht. haben sie tee? ja. haben sie eis? ja. also koennen sie mir doch einen eistee machen, oder? sagt opi, mit einem so herrischen ton am leib, dass inga und ich mit den arschbacken zusammenzucken und ich den drang verspuere: SIR YES SIR! zu schreien. offenbar haben wir es hier mit einem veteranen zu tun, irgendwie aus den suedstaaten, der einen verdammt schlechten tag hat.
aber der steward zischt ab und fuegt sich wirklich, und kommt nach 10 minuten voellig abgekotzt mit tee und eis wieder und faengt an, eistee zu basteln. er schnaubt wirklich aus der nase, so wie der drache damals bei "hallo spencer", und seine schicht hat gerade erst angefangen, der arme kerl. dann bin ich endlich an der reihe. mich ueberkommt der drang, einen tall caramel latte mit skim milk to go zu bestellen, aber ich habe angst vor den beide maennern und nehme ein wasser. der steward schaut mich hilfesuchend an... wer hat den freak hier rein gelassen?? der arme brauch ne kippe, und ich doch auch, aber ob er weiss, was ich weiss, und zwar, dass man, wenn es wirklich nicht mehr anders geht, in den ofen rauchen kann? vielleicht sollte ich mich mal auf ne geteilte luckies mit ihm in der boardkueche verabreden. dem essen, dass er nachher servieren wird, haette dies eh keinen abbruch getan, denn es war undefinierbar und vollkommen luftdicht verpackt.

opi rebelliert weiter. irgendwann spricht er mich direkt an, und jedesmal wenn er mich anspricht, zucke ich wieder zusammen und will nach dem purser schreien, dass er noch mehr eistee braut und mir den typen vom hals haelt. denn er wird seinen anschlussflug verpassen und das ungeschulte personal hier ist schuld und ausserdem zu dumm, ihm auskunft zu geben, wie er denn nun in seinen geliebten sonnenstaat kommt, wenn seine anschlussmaschine ohne ihn fliegt. die geilste situation jedoch ereignet sich beim landeanflug auf JFK. das uebliche prozedere, man muss die lehnen hochmachen, die tische einklappen, den ipod ausstellen. man moechte nicht sinn und unsinn reflektieren, und auch nicht mit irgendwem darueber diskutieren. also, der steward geht rum, weisst nett darauf hin, dass die liegesitze nun wieder hoch muessen und geht weiter. opi stellt sich jedoch schlafend, ganz nach dem prinzip "ich bin nicht da, ihr koennt mich gar nicht sehen" und blinzelt aus dem augenwinkel immer kurz auf, um zu sehen, ob er sie alle verarscht hat. der steward stellt also dem schlafenden opi den sitz hoch, der darauf hin wach werden simuliert und dann, ist der steward gerade weiter, den sitz wieder runterklappt und wieder auf schlafend macht. steward kommt wieder und man fasst es kaum, inga und ich pinkeln uns fast in die hose: opi tut wieder so, als wuerde er feste schlafen, und der sitz haette sich magisch wieder runtergelassen - von zauberhand. also drueckt monsieur franzockel wieder das knoepfchen und opi faehrt in eine aufrechte position zurueck. franzockel geht weiter, und opi laesst sich wieder runter - dieses mal hatte der steward ihm aber aufgelauert und stellt ihn zur rede. "auf die gefahr hin, dass sie meinen, ich waere bloed, aber sie muessen wirklich den stuhl hoch machen." opi wehrt sich, so ein mist, wir landen doch gar nicht, und was das ueberhaupt sollte. dann koerperkontakt mit dem steward. ich hoffe,d ie fangen sich jetzt nicht an, zu hauen, mitten im landeanflug. denn ich habe seit ewigen zeiten nicht geraucht und bringe seit stunden keinen anderen satz mehr raus als "inga, die mutti muss sich echt mal eine smoeken....."

spaeter, als inga und ich vorm gebaeude stehen, und ich endlich eine kippe anmachen darf, kommt opi noch einmal an uns vorbei, wutentbrannt, weil es wohl keinen flug mehr fuer ihn gab und scheinbar auch das hilfsbereite personal von air france / delta nicht weiterhelfen konnte.

was lernen wir? kleine suenden straft der liebe gott sofort.

lots of love from nyc,
eure miss liberty

26. Juli 2007

wenn in der rushhour des lebens nichts mehr geht


hart erkämpft hab ich ihn mir - den stern der letzten woche. auf dem pressemarkt war ja einiges los: der spiegel redet über meinen freund und kupferstecher dalai lama, der focus über gehirnforschung und entscheidungstheorien, und hier der stern:

ausgebrannt - wenn die belastung in der lebensmitte krankmacht.

ich dachte, als ich den titel gelesen habe "oh toll, da kann ich mitreden". es stellte sich jedoch heraus, dass es um menschen geht, die mal ein auf drei schritte weiter sind. die zwar auch scheisse aussehen vom ganzen stress und rauchen und nicht essen und nicht schlafen und unter strom stehen, die aber schon in der konsequenz daraus umgefallen sind.

mal einfach vor lauter panik keine luft bekommen, oder einen hörsturz, oder einen herzanfall. auch schlimm: viele berichten über psychsomatische probleme. in bestimmten situationen handlungsunfähig zu sein, zu bestimmten tageszeiten ausfallerscheinungen, manche entwickeln körperliche ticks. mir graut es, als ich all das lese und frage mich:

wie kommt es dazu - und wie schnell steuert man auf diese burn-out-falle zu, ohne es zu merken? gibt der körper irgendwann laut, hört man auf ihn, wenn er es tut oder hat er es im zweifel bereits schon getan und wir tun nichts anderes, als die symptome wegzurauchen oder zu trinken oder einfach mit "scheissphase" abzutun?

viele kennen das von sich selber, und ich werde mal einfach tag x - relativ schlimm - aus meinem leben zum besten geben.
ich stehe auf mit dem gefühl, nicht geschlafen zu haben. wenn man sich an mehr als 5 bewusste wachphasen erinnern kann, ist die nacht für den arsch. der job startet um kurz vor neun mit dem ersten kaffee, dem ersten meeting. um viertel nach neun ruft das erste mal der kunde an und verpasst mir wegen irgendwas einen mega-einlauf. der weg zur toilette, vor zehn das erste mal übergeben. der zweite kaffee dann, mit fliegender hitze. der frühstücksmann kommt, nutellabrötchen im laufen über die flure gegessen, innerhalb von 3 minuten. den halben kaffee hab ich irgendwo stehen lassen, also einen neuen an den start.
es folgen 7 stunden unter strom, in denen nur gerannt, gemacht, telefoniert und diskutiert wird. das volle werber-programm halt. mittagessen fällt aus, hunger hab ich eh nicht. bis 18h hab ich die ersten 15 zigaretten geraucht und kann mich an keine einzige davon erinnern. ab 19 klingelt mein telefon nicht mehr so schlimm, und ich erinnere mich, dass ich nicht gegessen habe. also ne tafel schokolade. ich versuche, noch 2 auf 3 stunden halbwegs ruhe in das chaos auf meinem tisch zu bekommen udn mich auf budgetierung zu konzentrieren, dann setz ich mich ins auto.
an der 2. ampel laufen schon, ohne dass ich es merke, die ersten tränen, vermutlich aus erschöpfung, und aus dem simplen grund, dass mir das erste mal wieder an diesem tag einfällt, dass ja privat auch nichts rund läuft und ich noch nicht einmals zeit hatte, mich darüber ein paar minuten zu ärgern. zum abendessen ist es zu spät und hunger hab ich nach der schoki eh nicht mehr, also rauch ich noch fröhliche 5 zigaretten und trink ein bier, um dann tot auf der couch umzufallen. ich habe keine nachrichten geguckt und mit keinem freund gesprochen und bin auch zu fertig, um noch zu telefonieren. vielleicht ja am nächsten tag.

respektive hab ich das gefühl, dass der hörsturz da nicht mehr lange auf sich warten lässt. natürlich sind nicht alle tage so - um gottes willen. aber sie kommen häufiger und häufiger, und je öfter sie kommen, desto mehr gewöhnt man sich auch daran, dass das ein relativ normaler zustand des arbeitens ist. alles muss ja laufen, egal wie. und ich bin nicht alleine: spontan fallen mir noch 3 freunde ein, die oft ähnliche tage erleben.

dem stern nach bin ich allerdings noch nicht so gefährdet. bei 48 gestellten fragen zu aufkommenden stresssituationen kann ich viele mit "trifft nie zu" beantworten. lösungsansätze gibt es jedoch wenige, um einem guten ergebnis nahe zu kommen. ansätze, wie arbeitgeber sich verhalten können, werden gegeben, und der gute ratschlag, einfach mal runterzuschalten.

ich würde sagen, wir warten einfach mal ab, was ab mitte 30 so passiert. vielleicht kommt ja auch alles anders, als gedacht, und die 3 freunde und ich finden uns beim morgendlichen yoga und bio-rosinen-müsli nebst ingwer-tee irgendwo auf dem land wieder, und alles ist gut?

ich bin mal gespannt.

20. Juli 2007

der selbstfindungstrip


offenbar befinden wir end 60er bis end-70er-geborene in der lebensphase der selbstfindung. als wäre man ungebremst von der quaterlife crisis in die midlife crisis gerutscht und beschäftigt sich nun anstatt mit minderwertigkeitskomplexen sofort mit der frage nach dem sinn des lebens.

mein orakel wikipedia erzählt mir, dass männer von der midlife crisis viel häufiger betroffen sein als die damen der schöpfung. "die theorie der midlife crisis basiert auf annahmen, dass individuen nach etwas streben, was man den "sinn des lebens" nennen kann, und dass das individuum erkennen muss, diesen sinn nicht gefunden zu haben. in wirklichkeit streben individuen aber nach einer vielzahl von zielen im persönlich-familiären und im weiteren sozialen umfeld sowie im beruflichen bereich. wohl jede(r) wird irgendwann feststellen, dass er / sie nur einen teil der eigenen ziele erreicht hat und wohl einige ziele nicht mehr erreichen kann, und wohl jede(r) wird im laufe des lebens die eigenen zielsetzungen mehrfach korrigieren."

jungs sind schon sonderbar in der beziehung. scheinbar sind wir nämlich in die generation der beziehungsunfähigen und innere-mitte-finder hineingeboren worden. bislang hats nur noch niemand gemerkt, da die jungs unserer generation ja erst jetzt alle 30 werden und anfangen, sich langsam auszupendeln.

eine bekannte zum beispiel, eine lange geschichte kurz erzählt. anfang 30, verheiratet. er sagt, er muss sich irgendwie grad selber finden und zieht aus. nach einem jahr sagt er, er hätte sich selber gefunden, da hat sie aber leider gerade schon jemand anders für sich gefunden. der widerum dann auch nach ein paar monaten sagt, er könne keine beziehung führen, da er sich selber finden müsse. und nun wartet man darauf, dass er anfängt, sich selber zu finden - denn nach seinen aussagen hat er in den vergangenen 3 monaten leider noch nicht die zeit gefunden, damit zu beginnen.

eine andere freundin, auch anfang 30. der mann zwischen 2 stühlen, und vor lauter bindungsunfähigkeit, trennungsunfähigkeit und entscheidungsunfähigkeit bewegt er sich keinen millimeter.

beziehungs- oder bindungsunfähig, unfähig zur emotionalen nähe, aufs selbstfindungskurs.
ich frage mich: was ist mit den männern los? und wo fängt man an, sich selber zu suchen? und ist man überrascht, wenn man gar nichts findet? oder enttäuscht, wenn man merkt, man findet genau das, was schon die letzten 30 jahre dort war? und wie pendelt man sich verdammt noch mal wieder ein, wenn man ständig davon läuft? bizzarerweise habe ich nämlich noch nie eine frau sagen hören, sie müsse ihre innere mitte finden oder gar sich selber.

seit einiger zeit habe ich die "ratschläge des herzens" von seiner heiligkeit der dalai lama auf dem schreibtisch liegen, und lese ein paar sätze, wenn es gerade passt.
in einem absatz, in dem er all diejenigen mit ängsten adressiert, schreibt er:

"das problem rührt von ihrer art zu denken her, nicht von einer tatsächlichen unfähigkeit."

vielleicht muss man sich diese tatsache öfter mal vor augen führen, wenn man meint, man wäre in einer tiefen krise, und versuchen, den standpunkt zu ändern. wenn das ginge, liebe jungs, würdet ihr euch und eurer umwelt einen grossen gefallen tun und nicht alle um euch in so grosser verwirrung zurück lassen.





16. Juli 2007

warum tränen salzig schmecken


diese frage wollte ich mir beantworten, als ich zufällig einen link bei wikipedia zu diesem thema sah. klick auf die seite, und mir schallt entgegen, in einem eigebetteten musikvideo in dem online-artikel:

"du bist vom selben stern, ich kann deinen herzschlag hör'n,
... weil dich die gleiche Stimme lenkt und du am gleichen Faden hängst, weil du dasselbe denkst wie ich"...

na, danke euch, freunde der nacht - da liesst sich der artikel doch direkt viel flauschiger.

und dann: "der tränenfilm kommt aus einer über dem auge gelegenen drüse. diese holt sich die nötige flüssigkeit aus dem blutserum. dabei werden etliche proteine herausgefiltert, sodass eine klare lösung entsteht. die salzkonzentration bleibt jedoch unverändert: sie entspricht mit 0,9 Gramm kochsalz pro liter der des blutes. daher schmeckt es salzig, wenn tränen an unseren wangen hinunterkullern und bis in den mundwinkel laufen, weil bei einer überproduktion der tränendrüse ein see im auge entstanden ist, der über die lidkante schwappt."

und: weinen ist gesund. mir wurde berichtet, dass noch gestern das fernsehen sagte, dass durch das weinen eiweisse aus dem körper gespült werden, die uns erkranken liessen, würden sie im körper bleiben. man sollte also immer mal wieder weinen, der gesundheit zuliebe.

viele menschen haben jedoch ein wohl psychologisches problem, nicht weinen zu können. man beschreibt diesen zustand als "ausgeweint", eine art emotionale blockage, die einen menschen dazu bringt, trauer oder wut nicht durch tränen zum ausdruck bringen zu können. die erleichterung, die psychisch durch das weinen erzeugt wird, bleibt aus, und man äussert diese trauer oder wut sehr kopfgesteuert durch andere kanäle des ausbruchs, oder - viel schlimmer - einfach gar nicht. bis der schädel platzt und man denkt: ich kann nicht mehr.

ich habe mal gegooglelt, was man gegen dieses phänomen tun kann, denn der sache auf den grund zu gehen, woher es kommt und wie man die ursachenbekämpfung am besten angeht, ginge zu weit und würde milde gesagt scheisse weh tun.

die schönste und auch faszinierenste lösung, die sich bot, fand ich in einem forum zum thema "ich kann nicht weinen". eine frau mit liebeskummer beklagte ihre missliche situation und beschrieb den schmerz des verlassenwerdens, und ihre unfähigkeit, einfach auf der couch zu sitzen und zu heulen, damit es irgendwann besser wird. ihr wurde geraten, sich gerade dann, wenn sie sich hundeelend fühlt, nichts anderes denkt als "kacke, kacke, kacke" und meint, sie wäre das ärmste schwein auf der welt, vor einen spiegel zu stellen. intensiv sich selber im spiegel anzusehen und zu versuchen, das zu sehen, was andere in dem gesicht sehen: schmerz. bekommt man nämlich den eigenen schmerz so vor augen geführt, sieht sich selber leiden, kämen die tränen irgendwann. wenn man dann durchhält und weiter hinsieht, könnte man weinen - stundenlang.

käme mal auf einen versuch an, oder?

14. Juli 2007

v for vendetta


in meinen posts der letzten monate ging es einige male um die vier v: verheiratet, vergeben, vom andern ufer, vollidiot. somit wurden bislang alle irgendwie abgefrühstückt, die draussen auf dem freien markt ihr glück versuchten. als singlefrau des 21. jahrhunderts ist man sich einig, keine dieser vier kategorien männer wollen gecastet sein.

doch was tun, wenn der mann im zentralen blickfeld nicht in diese no-go-kategorien passt. völlig straight und ehrlich, unverheiratet und nicht in einer beziehung lebend. ich fragte mich schon, wie man mit so einem umgeht - viele sind da obschon der momentanen marktlage überfragt. und: wie wird der, der nicht in diese clusterung passt, geclustert?

lange habe ich heute über denjenigen nachgedacht, der sich gerade wegen der nicht zugehörigen schublade nicht einfach abtun lässt und nach vielen überlegungen ist klar, wie das cluster heisst:

vreund+. ganz nach der veltins-kampagne.

derjenige, der versteht. bei dem halbe sätze eigentlich ausreichen. bei dem man keine scham verspürt, sich zum affen zu machen. dem man gerne dinge mit tiefgang erzählt. auf dessen wort man zählen kann. der nicht aufhört, interessant zu sein. der ganz anders ist, und doch so gleich. der auftrieb gibt. der gute laune macht. der auch schlechte laune mitmacht. der einen hält, auch wenn es nicht nötig wäre. der die richtigen fragen fragt. der sofort und direkt zum lachen bringt. bei dem man fällt, ohne aufzuschlagen: halt v+.

jede frau mit mehr als einer erbse im hirn träumt doch davon. den partner an seiner seite zu haben, wo mal qualifiziertes feedback kommt. der einen mal locker wieder einfängt, einem zeigt, wo alternativ-wege liegen. auch mal sagt: nun hör mal zu, du redest mist. und auch sagen kann: man, da hab ich noch gar nicht dran gedacht, toller gedanke! der einen dann in der nacht im arm hält. in dessen arm man liegt und sich stolz fühlt, dass es so ist. der einem aber genauso viel freiraum schenkt, wie man benötigt. bei dem man nicht glaubt, ausbrechen zu müssen, um man selber zu sein. v+ sticht alle anderen kandidaten aus, sollten sie auch noch so gut gecastet sein.

schwierig wirds nur, wenn v+ zum herzknall wird. wenn sichdas eine nicht mehr unweigerlich vom anderen trennen lässt, jedoch die zwingende situation kommt, dies zu müssen.
hier kommt das bild der weggabelung ins spiel. man entscheidet sich, wie bei der milchschnittentour, für links rum, und der andere möchte lieber rechts herum. "vladimir, hier waren wir schon einmal!" während sich beide noch gedanklich zuwinken, ist der weg schon gespalten und dank der nicht enden wollenden welle merkt man es erst, wenn einer in villa riba und der andere in villa bacho angekommen ist.

und man fragt sich: gibt es für menschen mit v+ einen shortcut zwischen den beiden dörfern? kann man, wie in der frosta-werbung, peter aus dem side-by-side einfach mal zu sich einladen, einfach so? oder schwindet die nähe mit dem herzknall?

die erkenntnis bleibt jedoch, ladies, dass wenn einmal ein v+ euren weg kreuzt, ihr es riskieren müsst. egal, was ist, egal was war. und egal, wie schlimm der herzknall werden kann. es gibt nämlich nur sehr wenige davon.